Bei der Umwandlung flüssiger Substanzen in Pulver ist die Sprühtrocknung seit Jahren ein bewährtes Verfahren. Doch wer bestimmte Produkteigenschaften wie Partikelgröße, Löslichkeit oder Fließfähigkeit präzise steuern will, stößt mit dieser Technologie an Grenzen. Die Lösung: Wirbelschichttechnologie. Sie ergänzt die Sprühtrocknung perfekt, macht die Pulverherstellung flexibler und steigert die Effizienz spürbar – für Produkte, die genau das leisten, was sie sollen.
Bei der Sprühtrocknung wird eine Flüssigkeit, meist eine Lösung oder Suspension, in einen Sprühtrockner eingesprüht. Durch heiße Luft verdampft die Flüssigkeit schnell und es bleibt ein feines Pulver zurück. Genau dieses Produkt sorgt bei vielen Anwendungen für Probleme: Es ist oft sehr fein und staubig – Eigenschaften, die nicht gerade für eine einfache Handhabung sprechen. Außerdem ist die Fließfähigkeit oft mangelhaft, was die Weiterverarbeitung zu einem echten Problem machen kann. Zudem sind die Möglichkeiten zur präzisen Anpassung der Produktparameter begrenzt, vor allem, wenn es um die Kontrolle von Korngröße und Löslichkeit geht. Doch die exakte Justierung dieser Eigenschaften ist ein entscheidender Faktor für die Verarbeitbarkeit des Pulvers und die Qualität des Endproduktes.
Wenn jede Eigenschaft zählt: Pulver für verschiedene Industrien
Pulver kommen in vielen Branchen zum Einsatz: von der Lebensmittelindustrie über die Pharma- und Chemiebranche bis hin zur Tiernahrungsproduktion. Und in jeder dieser Branchen sind unterschiedliche Produkteigenschaften entscheidend.
- In der Lebensmittelindustrie etwa müssen sich Pulver wie Instantgetränke oder Proteinshakes schnell und gleichmäßig in Flüssigkeiten auflösen.
- Um sicherzustellen, dass Tabletten oder Kapseln die gewünschte Wirksamkeit und Haltbarkeit bieten, spielt die exakte Dosierung und Kompressionsfähigkeit in der Pharmaindustrie eine zentrale Rolle. Neben der Partikelgröße kommt es hier auch auf die Fließfähigkeit und das Verhalten des Pulvers während der Herstellung an.
- Für einen effizienten und sicheren Prozess in der Chemiebranche und bei der Biomasseverarbeitung stehen Eigenschaften wie Schüttdichte, Fließfähigkeit und Staubentwicklung im Vordergrund. Pulver mit optimalen Eigenschaften lassen sich einfacher lagern, transportieren und weiterverarbeiten.
In all diesen Branchen ist es von großer Bedeutung, empfindliche Substanzen wie Enzyme, Vitamine, Aromen und Wirkstoffe besonders schonend zu behandeln, damit sie ihre Wirksamkeit behalten. Hier kommt die Wirbelschichttechnologie ins Spiel.
Was ist Wirbelschichttechnologie?
Doch was genau steckt dahinter? Einfach erklärt: In einem Wirbelbett werden Feststoffpartikel durch einen Luftstrom in Schwebe gehalten. Diese ständige Bewegung sorgt für optimale Bedingungen beim Wärme- und Stoffaustausch. Im Gegensatz zur klassischen Sprühtrocknung verdampfen Flüssigkeiten in der Wirbelschicht nicht frei im Raum, sondern trocknen direkt auf der Oberfläche bestehender Feststoffpartikel. Durch die gezielte Veränderung physikalischer Eigenschaften entstehen so Produkte mit individuell definiertem Profil.
In der Wirbelschicht sind die Feststoffpartikel sowohl für das Trocknungsmedium als auch für die aufgebrachte Flüssigkeit vollständig zugänglich. Dadurch ist dieses Verfahren nicht nur äußerst energieeffizient, sondern auch schonend.
Sprühtrocknungs-Agglomeration: Wie ergänzt Wirbelschichttechnologie die Sprühtrocknung?
Was entsteht also, wenn man Sprühtrocknung und Wirbelschichttechnologie miteinander kombiniert? Die Sprühtrocknungs-Agglomeration. Mit anderen Worten: ein echtes Power-Duo! So funktioniert’s:
1. Schritt: Sprühtrocknung
Der Prozess beginnt mit einer flüssigen Lösung oder Suspension, die in einem Sprühtrockner zerstäubt wird. In der heißen Luft trocknen die Tröpfchen sofort und hinterlassen ein feines, trockenes Pulver.
2. Schritt: Agglomeration in der Wirbelschicht
Das Pulver aus dem Sprühtrockner wird nun in einen Wirbelschichttrockner überführt. Dort wird es mit Luft aufgewirbelt. Durch das gezielte Einsprühen von Flüssigkeit verbinden sich die feinen Partikel zu größeren, lockeren Agglomeraten. Das macht sie stabiler, fließfähiger und staubfreier, was eine einfache und sichere Handhabung des Pulvers gewährleistet. Auch die Löslichkeit verbessert sich spürbar. Das ist insbesondere in der Lebensmittelindustrie von unschätzbarem Wert, da auf weitere Zusatzstoffe in der Rezeptur verzichtet werden kann.




Sprühgranulation: Wie kann Wirbelschichttechnologie die Sprühtrocknung ersetzen?
Die Wirbelschichttechnologie bietet mehrere Möglichkeiten, Produkteigenschaften gezielt zu beeinflussen. Neben der Sprühtrocknungs-Agglomeration findet auch die Sprühgranulation in verschiedenen Industrien breite Anwendung. Besonders für Unternehmen ohne eigenen Sprühtrockner ist dieses Verfahren interessant, da sie als Ersatztechnologie für die Sprühtrocknung dienen kann. Das Ergebnis sind kompakte, runde und homogene Granulate mit einer hohen Schüttdichte, die zudem staubfrei sind und sich dadurch leichter handhaben und weiterverarbeiten lassen. Der Prozess läuft wie folgt ab:
- Bei der Sprühgranulation werden feststoffhaltige Flüssigkeiten zerstäubt und treffen auf Granulationskeime.
- Die Flüssigkeit verdunstet, der Feststoff wird auf den Granulationskeim aufgezogen und bildet einen Mantel.
- Dies wiederholt sich im Wirbelbett laufend, wodurch schalenartig aufgebaute, kompakte, gleichmäßige Granulate entstehen.
- Parameter wie Korngröße, Restfeuchte und Feststoffgehalt können in der Sprühgranulation sehr genau eingestellt werden.
Die Sprühgranulation wird häufig für Produkte wie Aromen, Proteine, Enzyme, Detergenzien, Extrakte, Babynahrung, Düngemittel und Pestizide eingesetzt.




Mehr Produktivität, weniger Kosten: Vorteile dieser Verfahren
Der Einsatz der Wirbelschichttechnologie ergänzend zur oder anstelle der Sprühtrocknung bringt einige Vorteile mit sich:
- Bessere Verarbeitbarkeit: In der Wirbelschicht sinkt der Staubanteil und Mischungen lassen sich im Prozess stabilisieren. Zusätzlich verbessern sich spezifisch bei der Sprühtrocknungs-Agglomeration Löslichkeit sowie Presseigenschaften – letztere ein klarer Vorteil bei einer anschließenden Pelletierung oder Tablettierung des Pulvers.
- Schonende Verarbeitung: Niedrige Produkttemperaturen während des Prozesses tragen dazu bei, hitzesensible Inhaltsstoffe zu schützen und so z.B. Enzymaktivitäten zu erhalten.
- Qualitätssteigerung: Die Maskierung von Gerüchen und Geschmäcken verbessert die Produkteigenschaften. Zudem wird die Hygroskopizität – also die Fähigkeit des Pulvers, Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen – verringert, wodurch sich die Haltbarkeit der Produkte verlängert.
- Exakte Steuerung der Partikeleigenschaften: Partikelgrößenverteilung, Rieselfähigkeit und Schüttdichte lassen sich präzise einstellen, was neue Produktmöglichkeiten eröffnet.
- Kapazitätsausbau: Bei der Sprühtrocknungs-Agglomeration können gegenüber dem alleinigen Einsatz eines Sprühtrockners die Durchsatzraten um bis zu 60 % gesteigert werden, ohne dass ein weiterer Sprühturm nötig wird.
- Kostenersparnis: Kurze Prozesszeiten und die Integration mehrerer Verfahrensschritte senken Betriebs- und Investitionskosten.
Fazit: Effizientere Prozesse, bessere Produkte
Sowohl die Sprühtrocknungs-Agglomeration als Kombination aus Sprühtrocknung und Wirbelschichttechnologie als auch die Sprühgranulation bieten erhebliche Vorteile bei der Produktion von Pulvern und Granulaten. Insbesondere in der Lebensmittel-, Pharma- und Chemieindustrie ermöglicht sie effizientere Prozesse und die Herstellung qualitativ hochwertiger Produkte.
Mit unseren Conti-FB-Wirbelschichtanlagen bieten wir von Amandus Kahl eine Lösung, die einen flexiblen Ausbau der Produktionskapazitäten ermöglicht. Dank ihrer kompakten Bauweise lassen sich unsere Wirbelschichtanlagen einfach in bestehende Trocknungslinien integrieren. Für kleinere Chargen, etwa in der Forschung und Entwicklung, stehen zudem Batch-FB-Anlagen zur Verfügung. Unsere größeren Batch-FB-Anlagen sind darüber hinaus auch in Produktionsmaßstäben etabliert, da sie zum Beispiel eine sehr definierte Chargentrennung ermöglichen.. Die nahezu unbegrenzten Variationsmöglichkeiten bei Produkt- und Prozessparametern – einschließlich Temperatur, Strömung und Sprüheinstellungen – ermöglichen das präzise Erzielen der gewünschten Produkteigenschaften. Wer auf diese Technologie setzt, ist für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet!

