Rinderfütterung neu gedacht: Proteine nachhaltig und effizient sichern

von Felix Tometten
Lesezeit: 3 Minuten
Kronen-Expander zur Druckkonditionierung

Hochleistungskühe und Mastrinder haben einen besonders hohen Bedarf an hochwertigem Protein. Für eine bedarfsgerechte Fütterung sind daher Komponenten mit einem hohen Anteil an pansengeschützten Proteinen entscheidend. Lange Zeit wurde dieser Schutz durch Formaldehyd erreicht, das jedoch inzwischen EU-weit verboten ist. Mit unserem druckhydrothermischen Expander-Verfahren haben wir eine moderne Alternative entwickelt: Proteine werden zuverlässig, nachhaltig und ganz ohne chemische Zusätze geschützt.

Kühe decken einen Großteil ihres Proteinbedarfs durch die Mikroben im Pansen. Mit steigender Leistung des Tieres stößt diese Versorgung jedoch an ihre Grenzen. Hochwertige Futterkomponenten, die nicht im Pansen vorverdaut, sondern direkt im Dünndarm resorbiert werden, sind dann unverzichtbar. Genau hier setzt unser Verfahren an: Es steigert gezielt den Anteil pansengeschützter Proteine (UDP).

Der UDP-Wert (UDP = Undegradable Protein) beschreibt den Anteil des pansenstabilen Proteins am gesamten Rohprotein (XP) und gibt damit an, wie viel Prozent der Proteine für die Verdauung im Dünndarm direkt verfügbar sind. Die Pansenstabilität von Futtermitteln muss stets unter Berücksichtigung einer bestimmten Verweildauer im Pansen kalkuliert werden. Bei Hochleistungskühen geht man davon aus, dass stündlich ca. acht Prozent des Panseninhalts zum Darm fluten. Deshalb wird der UDP-Anteil des Futters meist unter Annahme einer Passagerate von acht Prozent berechnet und mittels einer Zusatzziffer als UDP8 angegeben.

Die Bewertung der Pansenstabilität und damit des Wirkungsgrades der technischen Futterverarbeitung erfolgt über verschiedene Untersuchungs- und Schätzmethoden. Die Ergebnisse dienen dazu, die relative Wirkung verschiedener Verfahren oder Behandlungen gegenüber dem Ausgangsprodukt zu beurteilen. Da die Ergebnisse eine Streuung aufweisen, ist eine kontinuierliche Beprobung der Rohware sowie des fertigen Produktes erforderlich, um eine stabile und verlässliche Datenbasis zu generieren.

So funktioniert das Verfahren: Nach vorangegangener Vorvermahlung mittels Brechwalzenstuhl und Vorkonditionierung mit Dampf im Durchlaufmischer wird das Prozessgut im KAHL Kronen-Expander kurzzeitig unter hohem Druck auf Hochtemperatur erhitzt (High Temperature Short Time, HTST). Anschließend gelangt das noch heiße expandierte Material in den KAHL Langzeitkonditionierer, den sogenannten hydrothermischen Reaktor. Dort wird es für etwa 20 Minuten auf einer Temperatur nahe dem Siedepunkt gehalten. Ein Prozess, der den UDP-Wert deutlich steigert und gleichzeitig die Verdaulichkeit im Dünndarm verbessert.

Abschließend wird das expandierte Material (Expandat) im KAHL-Bandkühler mit Umgebungsluft abgekühlt. Das Ergebnis ist ein nährstoffreiches, lagerstabiles Expandat, das sich optimal in Total-Mixed-Rationen (TMR) integrieren lässt und kaum zur Entmischung neigt. Bei Bedarf kann es mit geringem zusätzlichem Energieaufwand pelletiert werden.

Mehr Effizienz – weniger Energie

Unser Verfahren erhöht nicht nur die Pansenstabilität von Proteinen, sondern verbessert zugleich die Nachhaltigkeit der Futtermittelproduktion. Durch die gezielte Steuerung von Hitze, Druck und Feuchtigkeit wird der Verbrauch elektrischer Energie minimiert. Im Gegensatz zu rein hydrothermischen Verfahren, die eine energieintensive Warmlufttrocknung erfordern, muss das Endprodukt lediglich im Bandkühler durch Umgebungsluft abgekühlt, nicht aber getrocknet werden. Das spart Energie und verringert den CO₂-Fußabdruck erheblich. Zudem verbessert die gezielte Proteinmodifikation die Verdaulichkeit der enthaltenen Nährstoffe im Darm, insbesondere bei Rapsschrot und anderen Monokomponenten. So wird die Futtereffizienz gesteigert und dank besserer Proteinverwertung lässt sich der Futtereinsatz reduzieren – ohne Leistungseinbußen bei Milchproduktion oder Mast.

Unsere druckhydrothermische Expander-Technologie zeigt, dass moderne Futtermittelproduktion auf chemische Zusatzstoffe verzichten kann und dennoch höchste Ansprüche hinsichtlich Leistung, Effizienz und Nachhaltigkeit erfüllt. Weltweit setzen bereits zahlreiche Futterproduzenten erfolgreich auf dieses Verfahren.

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